Manchmal sieht man ein Plakat – und merkt: Das ist kein Werbespruch, das ist ein Weckruf. „Aufstehen für …“ ist genau so eine ökumenische Kampagne: Kirchen in Hessen und Rheinland-Pfalz machen sich gemeinsam stark für Menschenwürde, Demokratie, Vielfalt, Respekt und Zusammenhalt – besonders mit Blick auf die anstehenden Wahlen im März 2026.
Das Besondere: Hier stehen nicht „die einen“ und „die anderen“ nebeneinander, sondern viele zusammen – evangelische Landeskirchen, katholische Bistümer und die Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen (ACK). Ein ziemlich sichtbares Zeichen: Demokratie ist kein Privatprojekt, sondern eine gemeinsame Aufgabe.
Warum wir als Kirchengemeinde da nicht neutral sind
Neutral gegenüber Parteien: ja. Neutral gegenüber Menschenwürde: nein.
Demokratie ist mehr als ein Verfahren, bei dem man alle paar Jahre ein Kreuz macht. Demokratie ist eine Kultur: Wie wir miteinander reden. Ob wir Unterschiede aushalten. Ob wir Minderheiten schützen. Ob wir uns von Angst regieren lassen – oder von Verantwortung. Genau da sitzt unser Glaube mitten im Raum: Jeder Mensch hat Würde. Punkt. Nicht als Preis für gutes Benehmen, nicht als Belohnung für „richtige“ Herkunft, nicht als Stempel für „nützlich“.
Kirche war nie dafür da, Parteiprogramme zu verteilen. Aber Kirche ist sehr wohl dafür da, Hoffnung gegen Menschenverachtung zu setzen. Das ist nicht „politisch“ im Sinne von Parteipolitik – das ist zutiefst christlich.
Was „aufstehen“ ganz praktisch heißen kann
Die Kampagne liefert übrigens nicht nur ein Motto, sondern auch Material, das Gemeinden nutzen können: Vorlagen für Website und Social Media, Plakate, Banner, Fahnen, Postkarten – alles so, dass man nicht erst Grafikdesign studieren muss.
Und wir als Kirchengemeinde nehmen das zum Anlass, klar und freundlich sichtbar zu werden:
- Wir stehen ein für eine offene Gemeinde, in der Menschen nicht nach Schubladen sortiert werden.
- Wir widersprechen, wenn andere entwürdigt werden – am Stammtisch, in der Kommentarspalte, im Alltag.
- Wir fördern Gespräch statt Gerücht: zuhören, nachfragen, Fakten prüfen, fair bleiben.
- Wir ermutigen zur Wahlbeteiligung, weil Demokratie nur funktioniert, wenn Menschen mitmachen. (Ohne Wahlempfehlung – aber mit Haltung.)
Vielleicht klingt das groß. Ist es auch. Und gleichzeitig fängt es klein an: Wenn jemand sagt „Man wird ja wohl noch…“ und wir freundlich antworten: „Ja. Und man wird auch noch respektvoll bleiben.“
Unsere Einladung
Wer Demokratie liebt, muss nicht ständig „Debatten gewinnen“. Es reicht oft schon, nicht zynisch zu werden. Nicht abzuwinken. Nicht zu schweigen, wenn Menschen klein gemacht werden. Sondern aufzustehen: für Menschenwürde. Für Vielfalt. Für ein Miteinander, das nicht nur die Lautesten schützt.
Wenn Sie Lust haben: Machen Sie mit. Zeigen wir als Gemeinde, dass unser Glaube nicht im Kirchenraum endet – sondern draußen weitergeht, wo es zählt.